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diagonale 2008
 

 

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Filmen-Kritiken


Persepolis

Tragischer Humor, Traurigkeit, iranische Zeitgeschichte und eine Homage an die Familie - mit diesen Schlagworten kann man den Comic-Film von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud umschreiben.

Der Film beruht auf dem autobiografischen Comic von Marjane Satrapi. Sie erzählt darin ihre eigene Geschichte vor dem Hintergrund der iranischen Zeitgeschichte: 1969 geboren erlebte sie als neunjähriges Kind die iranische Revolution 1978/79 und den Aufbau eines "islamischen" Staates, der die gesamte Gesellschaft durchdringt. Die Luftangriffe und die Kämpfe im irakisch-iranischen Krieg 1980-88 (Erster Golfkrieg). Ihre Flucht alleine nach Wien und ihre Rückkehr in den Iran. Später flieht sie neuerlich nach Europa, diesmal nach Paris. Nur allzudeutlich wird die Dramatik der Flucht und des Zerrissensein zwischen der "alten" Heimat und der "neuen" Heimat im Exilland dargestellt. Einzige Klammer bleibt die Familie und die alten Freunde, doch auch diese wurden fremd.

In unkonventionellen Bildern, mit subtilem Humor aber auch viel Traurigkeit wird die Geschichte erzählt, deutlich ist die Handschrift von Vincent Paronnaud zu erkennen. Ein Leerstück für gutes, politisches Kino.

 

Henker

Was passiert, wenn sechs europäische Länder mit 12 Institutionen (allen voran Österreich), einem verhältnismäßig jungen Schauspieler- und Staff-Team einen Historien-Schinken á la Hollywood auf die Leinwand bringen wollen? Es komm so etwas wie ein Hänger heraus ...

Die Produzenten von "Henker" glaubten offensichtlich, nur möglichst viele Klischees bedienen zu müssen, und die Leute werden schon ins Kino kommen: Unberührbare schöne Frauen, heldenhafte Soldaten des Kaisers, korrupte Politik und sodomitische Priester, sexbesessene und gelangweilte adelige Frauen, ehrenhafte Ketzer und sadistische spanische Inquisitoren. Dies gewürzt mit ein paar tollen Kostümen, ein bisschen Sex, Intrigen und Gewalt und fertig ist der Kassenschlager. - Falsch!

Der Henker ist der katastrophal fehlgeschlagene Versuch einen Mittelalter-Streifen für das breite Publikum zu machen. Ambitioniert klingt zwar der Einleitungssatz, in dem ein Bezug zur Gegenwart hergestellt wird und vor religiösem und politischem Fanatismus gewarnt wird. Doch bereits bei der ersten Schnittfolge und den ersten Dialogen wird klar: Ab jetzt geht´s bergab! Und leider bestätigt sich dieser Eindruck von Filmminute zu Filmminute.

Wenn das der österreichische bzw. europäische Film wäre, dann würde es wirklich schlecht um ihn stehen. Wer wirklich guten österreichischen Film sehen will, sollte zur Diagonale blicken. Dort werden Filme gezeigt, die mit viel geringeren Budgets, weniger klingenden Namen (wie Steven Berkoff als Inquisitor und Patrick Godfrey als Bertram) aber einem x-fachen an Kreativität und Professionalität produziert werden. Auch Maria Hofstätter (hier als "dumme" Hinterwäldlerin Maria zu sehen) hat man in der Diagonale schon in besseren Filmen gesehen (Hundstage, Gelbe Kirschen).

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21 Gramm

Seit Amores Perros ist klar, dass von Alejandro Gonzales Inarritu noch einiges zu erwarten ist: Mit 21 Gramm hat er bewiesen, dass der Jubel nach dem Hunde-Drama-Thrill nicht übertrieben war. Wieder beweist das Duo Inarritu und Guillermo Arriaga (Drehbuch) nicht nur eine gute Geschichte zu erzählen, sondern diese auch spannend und vor allem anders zu erzählen. Schrittweise führen Inarritu und Arriaga das Publikum an die alten Themen Liebe, Selbstjustiz, Glaube und den Tod heran. Dabei verweigern sie sich aber Klischees und Altbekanntem. Mit der Zerstückelung der Zeit- und Raumebene in der Narration des Films wird die Zerrissenheit der Charaktere in ihrem Handeln nur verdeutlicht: Die Verwirrung um Ihren Glauben, um Ihre Liebe, um Ihre Gefühle und um das, was nach dem Tod ist. Angeblich verliert der Mensch beim Sterben 21 Gramm ... ob das die Seele ist, bleibt unklar. Klar bleibt aber was davor kommt: Das Hadern mit sich selbst und seiner Umwelt.

Der Stoff alleine würde schon ausreichen, um so manch anderen Film in Bezug auf Quantität und Qualität in die Schranken zu weisen; Inarritu wartet aber auch noch mit einer gut gewählten Besetzung auf: Sean Penn, Benicio Del Toro, Naomi Watts und Charlotte Glainsbourg. Sie wagen sich bei ihrer Darstellung weit hinaus, ohne dabei unglaubwürdig zu werden. Zweifelsohne ein lohnenswerter Kinobesuch!

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Kill Bill: Vol. 1

Gut, dass es noch positive Überraschungen gibt! Bei Filmen und deren ProponentInnen, die stark "gehypt" werden, besteht ja häufig die Gefahr, dass ihnen der Boden unter den Füßen verloren geht - den Filmen und den ProponentInnen. Bis jetzt ist dies bei Quentin Tarantino (noch) nicht passiert, wie Kill Bill (dargestellt von Uma Thurman) vor Augen führt. Kompromisslos erzählt er mit für ihn typischen Mustern: Zynische Schmähs und seltsame Dialoge bringen ein wenig Abwechslung und Pepp in seine Filme. Die Handlung ist verworren und erfährt mehrere Wendung. Dies alles wird unterstrichen durch unzählige Anlehnungen an ostasiatische Traditionen; nicht nur die Handlung selbst ist von japanischer Schwertkunst und Philosophie geprägt, auch die Bildästhetik und -stile - wie Manga-Zeichentrick, japanische und chinesische Samurai- und Horror-Filme - unterstreichen dies.

Fraglich ist jedoch die von Tarantino geprägte "neue" Ästhetik der Gewalt. Auch wenn er hier zweifelsohne provoziert, stellt sich die Frage, wie sexy und/oder cool Gewalt dargestellt werden soll/kann!? Selbstverständlich drängt sich hier die Gegenfrage auf: Was ist besser, ästhetisierte Gewalt in einem Film (Fiction), oder scheinbar klinisch saubere Gewalt auf den TV-Bildschirmen in den Nachrichten (Realität)? Verstehen wirklich alle KinobesucherInnen diese von Tarantino provozierte Auseinandersetzung in dem von ihm beabsichtigten Sinn?

Kill Bill: Vol. 1 ist trotzdem empfehlens- und sehenswert. Nachdem der zweite Teil - wird im Laufe des Jahres 2004 in die Kinos kommen - ja schon fertig ist, ist davon auch eine positive qualitative Stringenz zu erwarten. Die typischen Tarantino-Brüchen werden da nicht ausbleiben ...

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The Straight Story

David Lynchs Rasenmäher-Epos über das Altern ist zwar nicht der neueste Film (1999), jedoch erfuhren seine Filme im Oktober 2003 beim David-Lynch-Festival im Rahmen des Steirischen Herbstes besondere Beobachtung. Dabei wurden nahezu alle Kurz- und Langfilme eines der wohl spannendsten US-Regisseure der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt. The Straight Stroy ist ein Ausnahmefilm von Lynch, denn er ist verständlich! Doch nicht nur das zeichnet ihn gegenüber den bekannteren Lynch-Strassen-Filmen - Lost Highway (1997) und Mulholland Drive (2001) - aus. Lynch hat mit The Straigt Story eine komische, nachdenkliche, schräge und schöne Auseinandersetzung mit dem Altern geschaffen. Der sympatische, nette Mann auf dem alten, klapprigen Rasenmäher, der 500 Kilometer quer durch zwei Staaten der USA fährt, ist auch ein Symbol für das Altwerden. Auf dem Highway des Lebens mit Schrittempo unterwegs, wird er von Radfahrern, LKWs, Autos überholt. Ihm kann es aber nicht passieren, dass er das x-te Reh in wenigen Wochen auf dem Kühler kleben hat ...

The Straight Story ist auch ein nachdenklicher Film über das Verzeihen, Erinnern und über Schicksale. Bei aller Melancholie zeigt Lynch ohne verklärend zu sein Kleinigkeiten, die individuell schön sein können. Ein zweifelsohne positiver Film!

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The Matrix reloadet

Da wurde in letzter Zeit ja viel Tamtam gemacht: Keanu Reeves absolvierte seinen Hollywood-Star-Auftritt in Cannes; im Netz ritterten - trotz Leibesvisitationen, Security und Geheimnistuerei - die ersten "miesen" Versionen des Films um die Gunst der Internet-Comunity; und die Wachowski-Brüder entzogen sich weiterhin aus mysthischen Gründen jedem Interview ...

Nachdem uns die ersten Folgen von Animatrix bereits auf den zweiten Teil der - nachträglich (?) entstandenen - Trilogie Gusto machen sollten, waren die Erwartungen sehr hoch. Mindestens so groß wie die Ernüchterung nach der ersten Stunde des Films: Nix ist´s geworden mit einem fulminanten zweiten Teil; enstanden ist ein stupider Action-Film.reeves kaempft gegen den xten mr smithDas besondere an Matrix war nicht nur seine an japanische Filme angelehnte Darstellung von Kampf- und Actionszenen, sondern auch seine beeindruckende und technologie-kritische Vision der Zukunft sowie der innovative Aufbau der Story. Matrix reloadet hat nur mehr das, was vom ersten Teil am häufigsten in anderen Filmen kopiert wurde: Actionszenen. Diese werden in reloadet reproduziert und reproduziert und reproduziert und ... solange bis nach einer Stunde, dem einhundertfünfzigsten Mr. Smith und dem x-ten defekten Matrix-Programm nichts mehr übrig bleibt, ausser Gähnen und der Blick auf die Uhr. Aus diesem Dilemma helfen auch die "versteckten" Anspielungen auf diverse Philosophen - von Boudrillard, über Nietzsche bis Zizek - nicht wirklich heraus. Diese erwecken nämlich nur den Eindruck einer Persiflage auf sich selbst und des Widerspruches in sich!

Eines blieb noch am Ende des Films übrig: Nämlich die Frage, ob Neo (Keanu Reeves) mit einem sooooo langen Mantel wirklich alle Gesetze der Schwerkraft ausserhalb der Matrix misshandeln und ob er damit auch über Wasser schreiten kann?

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Geständnisse - confessions of a dangerous mind


Das Regiedebuet von George Cloony ist wirklich eine positive Überraschung! Bisher war er ja nur bekannt als Traum aller Schwiegermuetter und derer Töchter, nun macht er sich auch hinter der Kamera einen Namen. clooney und rockwell im film gestaendnisseMit Confessions of a dangerous mind hat er schon einmal eine hervorragende Arbeit abgeliefert: Der film ist spannend erzählt, arbeitet mit sehr interessanten Bildern und hält in Atem. Vor allem letzteres ist eine ziemlich wichtige Eigenschaft eines Filmes! Clooney arbeitet nicht nur am Plakat des Films mit der typischen Ästhetik der 60er und 70er, sondern auch im ganzen Film.

Thema ist Chuck Barries: Er war eine amerikanische TV-Ikone und gleichzeitig CIA-Agent. Die Legende - oder doch Realitaet!? - um den legendären Showmaster wird hervorragend von Sam Rockwell gespielt. Clooney ließ es sich nicht nehmen, neben der Regie auch noch den mysteriösen CIA-Kontaktmann zu spielen. Daneben sind auch noch einige andere Sternchen mit von der Partie: Drew Barrymore und Julia Roberts konkurrenzieren sich als Liebhaberinnen von Chuck Barries.

Fazit: George, brav ... weiter so!

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Update: 01.04.2008